BEST PRACTICE  

Trocken­pulver semi­au­to­ma­tisch abfüllen

Manchmal reicht ein Antippen, um etwas Großes ins Rollen zu bringen. Mit seiner Exper­tise im Bereich der Trocken­pulver-Inha­la­tion gab Harro Höfliger dem nieder­län­di­schen Start-up PureIMS den notwen­digen Schub.

Das Start-up-Unter­nehmen PureIMS entwi­ckelt nicht nur Trocken­pulver-Inha­la­toren (DPIs), sondern produ­ziert diese auch in einem eigenen, GMP-konformen Rein­raum. Alle Produkte basieren auf der Cyclops™-Plattform und zeichnen sich durch eine weitere Gemein­sam­keit aus: „Das ‚pure‘ in unserem Firmen­namen steht dafür, dass wir in allen Formu­lie­rungen so wenig Hilfs­stoffe wie möglich verwenden“, sagt Floris Gras­meijer, Principal Scien­tist bei PureIMS. „Die spezi­elle Disper­gier­tech­no­logie unserer DPI-Platt­form ermög­licht das, ohne die Wirk­sam­keit einzu­schränken. Meis­tens benö­tigen wir für unsere Formu­lie­rungen nur wenige Prozent eines Hilfs­stoffs, teil­weise können wir sogar komplett darauf verzichten. Das ist ideal für hoch­do­sierte Anwendungen.“

Bodenplatte des Cyclops™ während der Inhalation

Boden­platte des Cyclops™ während der Inhalation.

Aller­dings bringt diese Spezia­li­sie­rung auch beson­dere Heraus­for­de­rungen mit sich: „Handels­üb­liche Formu­lie­rungen enthalten bis zu 95 Prozent Laktose. Erst diese macht das Pulver fließ­fähig und ermög­licht eine repro­du­zier­bare Dosie­rung“, erklärt Floris Gras­meijer. Formu­lie­rungen ohne Hilfs­stoffe haben hingegen schlechte Fließ­ei­gen­schaften. Herkömm­liche Tech­niken der Abfül­lung sind darum für solche Pulver meist nicht geeignet.


Animierte Darstel­lung des Cyclops™ Trockenpulver-Inhalators:


Lösung zur Auto­ma­ti­sie­rung gesucht

Das Trocken­pulver vor dem Dosieren (rechts) und danach als Einzelportionen.

„Zu Beginn haben wir die gesamte Pulver­ab­fül­lung manuell durch­ge­führt. Eine repro­du­zier­bare Dosie­rung unserer kohä­siven Formu­lie­rungen war damals noch kein Thema“, erin­nert sich Floris Gras­meijer. „Natür­lich war das Ganze sehr zeit­auf­wändig – und wir wollten unsere begrenzten Ressourcen lieber für die Entwick­lung einsetzen. Deshalb haben wir uns über Möglich­keiten infor­miert, den Prozess zu skalieren und zu auto­ma­ti­sieren. Schon damals hatten wir guten Kontakt zu Harro Höfliger und wurden so auf die Dosier­ma­schine Omni­dose mit Walzen­füller-Tech­no­logie aufmerksam.“

Zahl­reiche Füllversuche

Die Umstel­lung von manu­eller Dosie­rung auf einen semi­au­to­ma­ti­schen Abfüll­pro­zess war knifflig: „Der Walzen­füller der Omni­dose formt das Pulver zu kleinen Einzel­por­tionen. Darauf war unsere Inha­lator-Platt­form zunächst noch nicht abge­stimmt“, erklärt Floris Gras­meijer. „Deshalb haben wir zahl­reiche Füll­ver­suche in Harro Höfligers Rein­räumen durch­ge­führt. Mit Unter­stüt­zung der Experten vor Ort konnten wir unseren Inha­lator so anpassen, dass eine Disper­gie­rung der Pulver­press­linge möglich wurde. Heute besitzen wir eine eigene Omni­dose, die ein echter Blick­fang in unserem Rein­raum ist.“

„Der Walzen­füller der Omni­dose formt das Pulver zu kleinen Einzel­por­tionen. Darauf war unsere Inha­lator-Platt­form nicht abge­stimmt.“Floris Gras­meijer, Principal Scien­tist bei PureIMS

In die etablierte Pharmawelt

Die ausführ­li­chen Versuche haben sich bezahlt gemacht: „Wir sind jetzt viel effi­zi­enter und können uns mehr auf die Entwick­lung und die Suche nach Part­nern konzen­trieren, mit denen wir die späteren Entwick­lungs­phasen unserer DPI-Produkte finan­zieren werden. Die Skalier­bar­keit des Dosier­pro­zesses, aber auch der etablierte Name ‚Harro Höfliger‘ haben sich als große Vorteile in Gesprä­chen mit poten­zi­ellen Part­nern erwiesen.“

Das Team des Start-ups PureIMS bei der „Drug Deli­very to the Lungs“-Messe 2019.

Für die Zukunft hat man bei PureIMS große Pläne: „Noch sind wir ein kleines biophar­ma­zeu­ti­sches Unter­nehmen. Das kann sich aber schnell ändern. Wir haben die passenden Produkte, das passende Produk­ti­on­se­quip­ment und erwei­tern konti­nu­ier­lich unser Prozess­wissen im Bereich der Arznei­mit­tel­ent­wick­lung. Wir sind also auf bestem Wege in die etablierte Phar­ma­welt – auch wenn wir uns nie so verhalten werden“, sagt Floris Gras­meijer augen­zwin­kernd. „Und wenn wir dort ange­kommen sind, werden wir uns natür­lich an den Schubs in die rich­tige Rich­tung erin­nern, den uns Harro Höfliger einst gegeben hat.“

Über PureIMS

Pure Inha­la­tion Medi­ca­tion Systems (PureIMS) ist ein biophar­ma­zeu­ti­sches Unter­nehmen mit Sitz im nieder­län­di­schen Roden. Seine Kern­ak­ti­vi­täten sind die Entwick­lung, Herstel­lung und Vermark­tung von Inha­la­ti­ons­pro­dukten, unter anderem für die Anwen­dung bei Tuber­ku­lose, Parkinson und Anaphy­laxie. Der Einweg-Trocken­pulver-Inha­lator Cyclops™ bildet das inno­va­tive Herz­stück aller Produkte von PureIMS.

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Fotos: PureIMS